"Mein" Land, "mein" Volk, "mein"...

Die Menschen lassen sich weniger von Taten als von Worten leiten. Sie schätzen einfach die Möglichkeiten zu handeln oder nicht zu handeln weniger als die Möglichkeit, über verschiedene Gegenstände und Menschen zu reden. Die Wörter: Mein, Meine, Mein sind für die Menschen sehr wichtige Worte die sie in Verbindung mit verschiedensten Sachen, Geschöpfen und Gegenständen sehr gern gebrauchen. Übrigens Auch in Verbindung mit Erde, Land und Völker. Über ein einzelnes Ding machen sie aus, dass nur einer „meins“ zu sagen habe. Und der jenige der von den meisten Dingen nach den Regeln dieses Spiels „meins“ sagen kann, der gilt bei uns Menschen für den Glücklichsten der in der Regel von den anderen die weniger Dinge besitzen die sie „mein“ nennen können, mit Ehrfurcht und Respekt behandelt wird. Wozu aber es so ist, ist mir Schleierhaft. Aber es ist so. Menschen die z.B ein Pferd „mein“ Pferd nennen, fahren nicht mit dem Pferd sondern ganz andere Leute. Sie füttern das Pferd auch nicht sondern wiederum ganz andere. Auch gutes erweisen sie dem Pferd übrigens auch nicht die das Pferd „mein“ Pferd nennen sondern Kutscher, Butler, Kinder, und andere Menschen. Pferd war nur ein kleines Beispiel, letzten Endes galangte ich zu der Überzeugung, dass der Begriff „mein“ keinen anderen Grund als einen niederen, tierischen, menschlichen Instinkt hat. Der Mensch sagt z.B auch „mein“ Haus und wohnt nie darin sonder sorgt nur für den Bau und Unterhalt des Hauses. Der Ladenbesitzer sagt oftmals „mein“ Laden, oder mein Textilladen und besitzt keinen einzigen Anzug aus dem besten Stoff das sich im Laden befindet. Bei uns Iranern ist es z.B so dass es sehr viele Menschen gibt die ein Stück Land „mein“ nennen, und es noch nie gesehen haben, und auch nie betreten würden. Es gibt bei uns Menschen die von ein teil „meines“ Volkes sprechen und diese anderen nie gesehen haben und nie sehen werden. Ihr ganzes Verhältnis zu diesen Menschen besteht darin, dass sie ihnen durch die Geschichte wissentlich und unwissentlich in Form von Zentralregierungen Leid zugefügt haben. Menschen streben meines Erachtens nicht danach gut zu leben oder das anzustreben was für sie persönlich gut seien kann sondern sie streben danach möglichst viele Dinge im Leben mit „mein“ zu benennen. In der Hinsicht möchte ich mal ganz kühn behaupten dass die Tiere auf der Leiter der Wesen höher stehen als die Menschen. Die Handlungen der meisten Menschen und in diesem Falle der meisten Iraner sind auf Worte basiert, die der meisten Tiere jedoch sind aufrichtig und basieren auf Handeln.

Den pseudonationalistischen und pseudopatriotischen Landsleuten gefällt das natürlich nicht. Denen hat sowas nie gefallen. Eins gilt für mich aber immer: Nichts mag mehr weh tun als wenn die Menschen eine schlechte Meinung von einem haben, nichts aber ist andererseits nützlicher, nichts befreit mehr vom falschen Leben als dass die meisten Menschen eine schlechte Meinung von einem haben. Je höher ich in der öffentlichen Meinung steige, um so tiefer sinke ich in meiner eigenen und das ist mir die Sache nicht wert.

Aber hey, es muss irgendwie weitergehen...! Also paddeln wir weiter rückwärts...

7.6.06 18:26

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


dunkel-bunt / Website (8.6.06 13:35)
"Meine Sprache" macht eine Ausnahme, finde ich. Genauso wie natürlich "mein Haar", "mein selbstgeschriebner Sonettenkranz" und "mein Abitur".
Aber bei der Sprache finde ich es besonders schön: Weil tatsächlich jeder seine ganz eigene Sprache hat, die sich im Verhältnis vom aktiven und passiven Gebrauch der Wörter von dem anderer selbst des gleichen Soziolektes unterscheidet. Aber was nun ein "Ich" ist, das fragen wir besser "Edgar" aus "King Lear".


Hank / Website (8.6.06 18:51)
so so...