Und sie verlangten Leben, und boten nichts (Teil 1)
Ich war 13 und ein exzellenter Schüler. Sowohl in der Schule als auch als ein Tischtennis- und Fussballspieler war ich ein talentierter Junge. Ich sass da in dem überfüllten Schulraum und wartete darauf das es klingelte. Den Tischtennisschläger hatte ich in Schulranzen. Ein damals Neiderregendes Ding: Eine Seite belegt mit der offensiven Belag des japanischen Herstellers "Butterfly", auf der anderen Seite des schlägers hatte ich mir ein defensivbelag von der gleichen Firma draufkleben lassen. Wir waren im Krieg gegen den Irak und Saddams Kampfjets und Bomber liessen uns keine Ruhe. Vor 4 Wochen traf eine Luft-Boden Rakette 2 Häuser weiter ein und bei uns nahmen die Wände grosse Risse und alle Fensterscheiben gingen in die Brüche. Meine Kindheit war eigentlich immer begleitet von Krieg. Wir hatten schon langsam keine Angst mehr wenn Nachts die Sirenen tönten, wir gingen schon garnicht mehr in dem Keller weil wir immer darauf hofften dass in dieser riesen Stadt die Bomben doch nicht grade uns treffen würden. Das hatten all die jenigen die die Bomben tag für tag abbekamen und starben, wahrscheinlich auch gedacht.
In der Schule jedenfalls klingelte es an dem besagten Tag nicht mehr. Der Rektor kam rein und schickte alle Schüler auf dem Hof da wäre eine wichtige Durchsage für alle. Wir waren euphorisch, ich war in der 8en Klasse und etwas grösser und stämmiger Gebaut als die meisten anderen in meinem Alter. Wir drängelten uns alle zu dem Schulhof und jede Klasse reihte sich ein so wie es die Lehrer wollten.
Wir kiecherten und ärgerten uns gegenseitig bis dann 4 angsterregende Gestallten in Begleitung des Rektors aus dem Lehrerzimmer zum Hof hinauskamen. Alle 4 waren bärtige junge Männer aus der "Sepahe Pasdaran" das waren die Revolutionswächter, die Guardisten. Dunkelgrüne Armeekleidung und schwarze Armeestiefel. Alle waren mit Colts ausgestattet. Der Rektor der eigentlich bekannt war dass er insgeheim Regierungsfeindlich war, sagte den Schülern dass diese Männer nun einigen von uns ein paar Fragen stellen würden und danach würden wir alle Heim gehen können.
Sie kamen, und sprachen mit den Schülern bzw. Kindern. Sie sprachen von der Revolution und von dem heiligen Krieg den wir gegen die Iraker zu führen hätten und den wir bis zum schluss und bis zum endgültigen Sieg weiterführen müssten. Alle Schüler waren aufeinmal ganz ruhig, man hörte nur die Tauben über unseren Köpfen hinweg fliegen. Sie liebten die Kuppel der Moscheen und direkt neben unserer Schule war ein Moschee. Es war heiss, mitten im Sommer. Diese bärtige "Revolutionswächter" rekrutierten also. Zwangrekrutierung.
Es war 1987, die Iraker hatten eine grossangelegte Offensive angefangen und griffen unsere Stellungen massiv an und zwar vom Norden bis Süden gleichzeitig. Unsere Propagandafernseher und die Medien berichteten unaufhörlich von Siegen und vernichtende Niederlagen der Iraker, die die aus dem Front zurückkamen jedoch erzählten ganz andere Geschichten. Täglich fuhren unzählige Büsse Richtung Front und wenn man die Gesichter betrachtete dann sah man alles nur keine Begeisterung und Vaterlandsliebe. Selbst Kinder und ältere Männer wurden dazugezwungen zum Front zu gehen. Daran merkte man dass es um unseren Grenzen nicht gut bestellt war. Die Iraker kamen mächtig und eroberten nicht nur die von uns besetzten Gebiete sondern besetzten mittlerweile ihrerseits iranisches Territorium.
In unserer Schule wurden mittlerweile die körperlich stärksten ausgesucht und aus den Reihen geholt. Das waren meistens Schüler die ein paarmal sitzengeblieben waren und somit etwas älter und physisch stabiler waren. Einer von Ihnen kam mir immer näher und war mittlerweile neben mir. Er hatte beide Hände hinter dem Rücken gelegt und lächelte kein bischen.
>>Wie alt bist du Junge?<<
>>13<<
>>13? nicht dass du lügst, du sieht doch aus wie ein grosser Mann, wie ein 16, 17 jähriger junger Mann<<
>>Nein Herr, ich schwör zu Gott ich bin erst 13<<
Er rief einen anderen "Guardist" und er brachte ein G3 mit sich. Er drückt mir den G3 in die Hände und sagte "Haltmal".
Ich hielt die grosse und mächtige Waffe in den Händen ohne gross was dabei zu fühlen.
>>Siehst du? Du bist doch ein grosser, starker Junge, willst du nicht etwas gutes tun für dein Land? Für dein Iran?<<
Ich schaute ihn nur an und sagte nichts. Er lächelte und zog mich sanft aus den Reihen. Ich war auserwählt.
>>Aber Herr, meine Eltern die warten auf mich, sie denken mir wär was passiert, bitte lassen sie mich mit ihnen reden<<
>>Mach dir keine sorgen, wir werden deine Eltern benachrichtigen. Sie werden bestimmt stolz sein auf ihren grossen und starken Jungen!<<
Eine Stunde Später sassen wir in ein Buss und fuhren schon richtung Nordwest Front in der Provinz Kurdistan.
Fortsetzung folgt...